Chronische Entzündungen des Mittelohrs sowie Löcher im Trommelfell, die infolge von Verletzungen oder Ohroperationen entstehen und sich weder von selbst noch durch einfache Eingriffe schließen, gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Mittelohrs. Das Trommelfell befindet sich am Ende des äußeren Gehörgangs und trennt das Mittelohr vom Außenohr. Die durch den äußeren Gehörgang eintreffenden Schallwellen versetzen das Trommelfell in Schwingung. Diese Schwingung wird auf den mit dem Trommelfell in Kontakt stehenden Hammer und anschließend auf Amboss und Steigbügel übertragen, wodurch der Schall zum Innenohr weitergeleitet wird. Die Eustachische Röhre, welche das Mittelohr mit dem Nasenrachenraum hinter der Nasenhöhle verbindet und für den Druckausgleich zwischen Mittelohr und Umgebung sorgt, sowie die mit dem Mittelohr verbundenen Luftzellen im hinter dem Ohr gelegenen Mastoidknochen bilden die weiteren anatomischen Strukturen des Mittelohrs.
Welche Arten chronischer Mittelohrentzündungen gibt es?
Bei chronischen Mittelohrentzündungen gibt es viele verschiedene Formen. In der Praxis begegnet man am häufigsten zwei Krankheitsbildern.
Wenn Wasser durch das Loch in das Mittelohr gelangt oder Infektionen aus den Nebenhöhlen, der Nase oder dem Nasenrachenraum über die Eustachische Röhre in das Mittelohr gelangen, kann es zeitweise zu eitrigem Ohrausfluss kommen. Aufgrund wiederkehrender Infektionen kann sich das Hörvermögen im Laufe der Zeit zunehmend verschlechtern. Diese Gruppe gehört zu den in der klinischen Praxis häufiger vorkommenden chronischen Mittelohrproblemen, die vergleichsweise leichter zu behandeln sind und bei denen die funktionellen Ergebnisse meist erfolgreicher ausfallen.
Die zweite wichtige chronische Mittelohrerkrankung entsteht in der Regel infolge einer seit der Kindheit bestehenden Funktionsstörung der Eustachischen Röhre. Die Erkrankung beginnt durch einen Unterdruck, der aufgrund einer unzureichenden Belüftung des Mittelohrs entsteht und dazu führt, dass das Trommelfell nach innen in Richtung Mittelohr gezogen wird und einsinkt. Nach dem Einsinken und der Bildung einer Tasche im Trommelfell wächst die Haut des äußeren Gehörgangs in das Mittelohr und im Laufe der Zeit weiter in den benachbarten Mastoidknochen hinein. Dadurch entsteht dort eine entzündliche Masse, die als Cholesteatom bezeichnet wird. Das Cholesteatom enthält abgestoßene Hautzellen aus dem in das Ohrinnere vorgedrungenen Gehörgang sowie Bakterien, die sich in dieser Umgebung vermehren. Durch Druck und Entzündung kann es den umliegenden Knochen abbauen und sich auf benachbarte Organe ausbreiten, wodurch schwerwiegende Komplikationen entstehen können.
Typischerweise besteht eine seit langer Zeit vorhandene und zunehmende Hörminderung sowie ein zeitweise stärker werdender, übelriechender Ohrausfluss. Patienten können mit plötzlich auftretender Hörminderung, Schwindel, Gesichtslähmung oder mit schweren Komplikationen wie Meningitis und Hirnabszess ins Krankenhaus kommen, die durch eine Ausbreitung der Entzündung aus dem Ohr in den Schädel entstehen.
Bei der chirurgischen Behandlung chronischer Mittelohrentzündungen mit Cholesteatom besteht das vorrangige Ziel darin, die Entzündung zu beseitigen. Die hinsichtlich der Hörfunktion erzielten Ergebnisse sind bei diesen Patienten meist nicht so zufriedenstellend wie in der ersten Gruppe.













